Friedrichshagen

Die Bölschestraße hat heute den Ruf einer Einkaufsstraße mit Flair, geprägt durch architektonische Vielfalt in unterschiedlichen Bauhöhen. Die 1753 auf Geheiß Friedrich II. an dieser Stelle angelegte Dorfstraße für die Spinnereikolonie bestand zunächst aus 50 strohgedeckten Häusern. Die ältesten Zeitzeugen, Kolonistenhäuser aus dem 18. Jahrhundert, sind verstreut zu finden.
Auf der rechten Seite, Nr. 104, Ecke Myliusgarten, das niedrigste Haus der ganzen Straße Nr. 121 auf der gleichen Seite beherbergt das Restaurant "Zum Maulbeerbaum" und erinnert mit seinem Namen an die Maulbeerbaumpflanzungen (Experiment Seidenraupenzucht) auf der Dorfstraße 1852 flankierten über 1000 Maulbeerbäume in vier Reihen die Dorfstraße.
Vier Exemplare dieser Gattung sind noch zu finden, drei als Naturdenkmale (Eule) gekennzeichnet; die Baumnumerierungen sind identisch mit den Hausnummern: links 63, rechts vor der Gaststätte ein junger Baum (121), ein Stück weiter ein Veteran (126 a) und links 11. Frühe Bauzeitzeugen sind auf der linken Straßenseite die Häuser mit den Nr. 8, 9 und 3.
Vom Aufschwung Friedrichshagens künden einige recht ansehnliche und imposante Gründerzeit- und Jugendstilbauten; die Bahnstation und das schöne landschaftliche Umfeld förderten den Ausflugsverkehr, die Ansiedlung finanzkräftiger Städter und die Herausbildung des Kurbadeortes. Markante Blickfänge aus dieser Zeit sind das Eckhaus, Nr. 66, auf der linken Seite und das im Neorenaissancestil errichtete Gebäude Nr. 87 auf der rechten Straßenseite 1899 als Rathaus eingeweiht, jetzt Polizeirevier.
Auf halbem Wege links die bis 1903 aus rotem Backstein im neogotischen Stil erbaute St.-Christopherus-Kirche (neuere Kirchturmspitze). Rechts der Marktplatz mit Wochenmarktbetrieb. Sehenswert sind die schmucken Bürgerhäuser Nr. 57 und 58, sowie das an die Historie erinnernde Restaurant "Spindel" in Nr. 51. Der Namensgeber der früheren Friedrichsstraße war Wilhelm Bölsche (1861 - 1939),naturwissenschaftlicherSchriftsteller und Mitbegründer des "Friedrichshagener Dichterkreises" (Spohr, Wille, Mühsam, Hille, Brüder Hart und Kampffmeyer u. a.). Charakteristisch für die Mitglieder dieser "Kulturinstitution" waren soziales und künstlerisches Engagement, Publikationen zum Verhältnis Mensch und Natur und aktives Eintreten für den Schutz des nahen Wald- und Seengebietes. An Bölsche erinnert eine Gedenktafel am Haus Müggelseedamm 254.
"Berliner Bürgerbräu", 1869 als "Lindenbrauerei" errichtet, gilt als älteste Brauerei Berlins. Verschiedene Namen und Eigentumsverhältnisse haben bis heute die Nachfrage nach dem Gerstensaft nicht wesentlich beeinträchtigt. Vorgelagert ist das Braustübl, ein beliebtes Ausflugslokal. Das Brauereigebäude steht als Industriebau auf der Liste des Denkmalschutzes und ist besonders von der Wasserseite her attraktiv.